Rasen ist Grüne Monokultur, na und?

Wieviel Rasen braucht eigentlich ein Garten? Oft wird bereits bei der Planung der Grasteppich überdimensioniert angelegt. Doch es gibt attraktivere Alternativen zu monotonen Grünflächen.

agardenWer immer noch glaubt, dass Rasen pflegeleichter sei als blühende Staudenbeete, aktive Teiche oder sichtschützende Gehölzpflanzungen, sollte bedenken: pflegeleicht ist ein Rasen nur, wenn er sich zur „richtigen“ Wiese entwickeln darf. Wer dabei spontan an buntblumige Oasen mit seltenen Kräutern und interessanten Gräser denkt, muss umdenken. Wiesen sind von Natur aus auf nährstoffreichen Böden im Flachland artenärmer und hochwüchsiger, als ihre farbigen Verwandten im Mittelgebirge oder in den Alpen, die man spontan im Kopf hat, wenn man an wogende Mohn- und Kornblumenareale denkt.

Viel Arbeit und oft auch Ärger bereitet ein ganz „normaler“ Scherrasen. Warum? Es soll Menschen geben, die davon ausgehen, dass sich ihre Grasnabe zu einem Golfplatz-Rasen entwickelt, wenn sie ihn intensiv in der Mittagszeit und nach 20.00 Uhr mit dröhnendem Motor-Rasenmäher bearbeiten. Es ist bewiesen, dass speziell diese Mähzeiten keinerlei positiven Einfluss auf Dichte, Wachstum und Wurzelbildung eines Rasens haben. Rasen muss gedüngt, vertikutiert, getrimmt, versandet, aerifiziert und bei Vertiefungen durch Auffüllen von Oberboden angeglichen werden. Kanten wollen akkurat abgestochen sein (empfehlenswert hier eine Rasenkante aus Klinker oder Natursteinpflaster), damit die rotierenden Mähermesser schadensfrei trennen können.

Wer einmal kritisch über sein eigenes Grün schaut, wird feststellen, dass diese künstliche Lebensgemeinschaft sehr anfällig ist. Das ist ganz natürlich. Natur ist immer bestrebt, die monotone Fläche von selbst zu „renaturieren“. Wühlmäuse, Maulwürfe, unterschiedlichste „Unkräuter“, unzählige sichtbare und versteckte Pilze, selbst eine permanente Vermoosung sind sichtbare Symptome dafür. So altert der Rasen schnell und wird bald doch zu einer Art aber nicht artenreichen Wiese, an der „ordnungsliebende“ Naturen natürlich so gar keinen Gefallen finden.  

Rasenflächen, oft bestehend aus nur fünf Grasarten, sind häufig noch durch „Un“krautvernichtungsmittel oder Überdüngung belastet. Kein Wunder, wenn dann kaum noch tierisches Leben im Boden stattfindet. Hinzu kommt noch, dass wegen der kurzen Schnitthöhe die Verdunstung an wärmeren Tagen besonders hoch ist. Die Bodenqualität unter der Grasnarbe leidet durch Nährstoffentzug, Auswaschung und Verdichtung immer mehr. Fazit: Allmählich verarmt die grüne Monokultur.

Ein Garten sollte aber lebendig und naturverträglich sein. Dort, wo gespielt und getobt wird, macht Rasen möglicherweise Sinn. Und wenn es denn mal kein „englischer“ Zierrasen sein soll, hat sich eine bodenbeständige Scherrasenmischung mit vielen unterschiedlichen Kräutern bewährt. Dann blüht wenigstens immer etwas, selbst auf sandigen, lehmigen und tonigen Böden – egal wie oft das Flächengrün geschnitten wird.

1 Kommentar Freitag, 28. Mai 2010 John Langley


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