Maulwurf im Rasen, Talpa europaea wie fangen?

Schon wieder ein Hügel inmitten der makellosen grünen Fläche. Und da, noch einer und noch einer…. es werden immer mehr, und sie werden immer höher und größer. Warum nur sind diese Erdpyramiden immer nur auf meinem Rasen und nicht beim Nachbarn?

Dimmer am Ball - der Maulwurfa stellt sich doch zunächst einmal die Frage: Welche Schäden richten eigentlich diese kleinen, aktiven Störenfriede an? Fakt ist: Dieses unterirdische, dickfellige Urtier mit dem Namen Talpa europaea belüftet das Erdreich. O.K. es untergräbt unsere Möglichkeiten, es für immer zu stoppen. Es soll sogar Gartenbesitzer(innen) geben, die jagen das 15 bis 20 Zentimeter lange, fleißige Wühl- und Grabetier seit vielen Jahren ohne sichtlichen Erfolg. Der unermüdliche Einsatz von Geruch, Lärm, Hochfrequenzen oder, oder, oder beeindruckt den Maulwurf vermutlich nur peripher.

Seine ärgsten Feinde auf und über der Erdoberfläche – neben dem Menschen versteht sich – sind Iltis, Hermelin, Igel, Fuchs, Marder, Eule, Rabe, Storch, Falke und nicht zuletzt der Bussard. Doch viele dieser Kreaturen sind inzwischen aus unserer verstädterten Lebensgewohnheit geflüchtet. Damit wenigstens der Maulwurf bei uns überlebt, wurde er vom Gesetzgeber unter Naturschutz gestellt – und darf demzufolge nur gejagt oder beseitigt werden, wenn er größeren Schaden anrichtet.

Und ist es unser Schaden, wenn der Regenwurmvernichter Maulwurf sich über Winter riesige „Überlebensvorräte“ an lebenden Würmern anlegt? Oder sich von der Vielfalt des im Boden befindlichen Lebens ernährt? Nicht wirklich. Zudem zeigen die Aktivitäten des Maulwurfs an, dass der Garten- oder Rasenboden ökologisch völlig in Ordnung ist.

Das Tierchen lockert nicht nur den Boden auf, sondern frisst und frisst auch viele dort im Erdreich lebenden Schädlinge auf. Auf seiner Speisekarte stehen nicht nur Mai- und Mistkäfer, große kräftige Maulwurfsgrillen, Nacktschnecken, Asseln, sondern auch (wer hätte das gedacht) sogar Spitz- und die gemeinen Wühlmäuse.

Kleiner Gärtner-Tipp: Einfach seine Bodenerhebung mit der Schaufel oder Harke flach machen. ACHTUNG – und nicht anschließend die weiche Erde in die Gänge treten, weil das möglicherweise die natürliche „Klimaanlage“ des Gänge – Labyrinths beeinträchtigt … und das motiviert die Erdbewohner unmittelbar zum erneuten Hügelbau. Es gibt sogar so sensible lichtscheue Erdwühler, die über diese Maßnahme so verärgert sind, dass sie nach dieser einfachen Erdbewegung mit einer Geschwindigkeit von bis zu 67 Meter pro Minute (4 km/h) in den Nachbargarten abwandern.

Um die beiden fünffingrigen Grabhände des Schaufelbaggers zu fangen, empfiehlt sich die Kastenfalle aus Holz oder Kunststoff. Wer beim Einsatz die Gebrauchsanleitung sorgfältig beachtet, könnte zu besseren Fangquoten kommen. Die beste Zeit für diesen „Undercover-Einsatz“ ist von September bis November und von Februar bis Ende April, dann sind Maulwürfe besonders aktiv. Ansonsten bleibt nur eine langjährige Freundschaft mit einem Tier der ganz besonderen, schützenswerten Art. Sie gehören für mich zum Rasen, auch wenn sie viele rasend machen.

Langfristig werden Maulwürfe auch durch den Einsatz von Mährobotern und Automowern vertrieben. Deshalb der Tipp von uns:

3 Kommentare Sonntag, 26. Februar 2012 John Langley

Gartenalarm: Dickmaulrüssler, Wanze und Co. sind schon da

von der RolleSechs lange Beine, ein brauner, tropfenförmiger Körper – Deutschland erlebt gerade eine Invasion langbeiniger Krabbeltiere. Es sind Wanzen, die zu Zig-Tausenden die Privatgärten erobern und Hauswände besetzen. Dabei handelt sich um Wanzen im Larvenstadium, die eher harmlos und zudem reine Pflanzensauger sind. Mit einem Wasserstrahl und etwas Spüli sind sie gut zu vertreiben. Aufgrund der Trockenheit fiel dieses Jahr nur ein verschwindender Teil der der Schädlinge dem Regen zum Opfer und der milde Winter hat viele der unterirdisch überwinternden Schädlinge geschont. Als wichtigste sind hier zu nennen: die Larven des Dickmaulrüsslers, die Engerlinge des Maikäfers und die Engerlinge des nah mit dem Maikäfer verwandten Junikäfers. Die beiden Letztgenannten galten bereits als fast ausgestorben. Oberirdisch überwinternde beißende und saugende Schädlinge wie z.B. Läuse hatten deutlich mehr mit der Feuchtigkeit zu kämpfen, als mit dem Frost. Sie treten in diesem Jahr in normalem Umfang auf.

Der wirkliche Feind in dieser Saison sind die Dickmaulrüssler und Co. Ihre Larven und Engerlinge leben von organischen Stoffen im Boden, ihre erwachsenen Stadien von oberirdischen Pflanzenteilen. Engerlinge sind der Alptraum des Rasenfreundes, weil sie die Wurzeln der Rasengräser fressen. Der Rasenfreund wundert sich, dass er ohne Anstrengung die Rasendecke anheben kann. Sie hat bereits keine Wurzeln mehr, der Rasen ist faktisch tot. Die erwachsenen Mai- und Junikäfer richten zusätzlich erhebliche Fraßschäden an frischen Austrieben von Gehölzen an, bis hin zum Kahlfraß an besonders befallenen Bäumen.

Wilhelm Kleinesdar, Pflanzenschutzberater der Landwirtschaftskammer NRW in Herford: „Das ist die Folge einer Entwicklung, die sich über Jahre fortgesetzt hat. Diese Käfer hat genügend gute Lebensbedingungen, wir bieten ihnen ideale Fraßvoraussetzungen wie Rhododendren und Kiefern, alles ist da. In der chemischen Bekämpfung ist über viele Jahre im Forstbereich, wo die Käfer viele Rückzugsbereiche haben, sehr wenig getan worden. So kann er jetzt ohne Probleme in die Gärten einwandern.“
Die Schäden dieses Käfers sind besonders hässlich, er bevorzugt unsere Immergrünen. Es sind Fälle von Massenbefall bekannt, bei denen Rüsselkäfer mit Besen zusammengekehrt und in Schubkarren abgefahren wurden. Fraßschäden finden bevorzugt an frischen Austrieben statt, die man an der Kiefer abgebissen am Boden findet. Oder der Rüssler schneidet sich ein ovales oder halbkreisförmiges Stück, beginnend am Blattrand, heraus. Das frische immergrüne Blatt kann mehrere Fraßstellen haben und behält sie, bis die Pflanze es abwirft. Dies bedeutet, dass solche Blätter die Pflanze u.U. über mehrere Jahre verunstalten.

Die chemische Bekämpfung von Dickmaulrüssler und Engerlingen ist nicht mehr zugelassen. E 605 ist nicht mehr erlaubt und vom Markt genommen. Es kommt nur die mechanische Bekämpfung der unterirdischen Stadien durch Fräsen oder die biologische Bekämpfung durch Nematoden in Betracht. Das Fräsen scheidet in eingewachsenen Beständen aus, unter flachwurzelnden Rhododendren zu fräsen zerstört das Wurzelwerk. Nematoden, lebendige Organismen, sind etwas für Fachleute. Vor Ausbringung sollte man genau wissen, wer der Gegner ist, und welcher Privatmann weiß dies schon, wenn noch keine Symptome oberirdisch erkennbar sind. Der erfolgreiche Einsatz von Nematoden muss auch bei der richtigen Bodentemperatur geschehen. Erfolgt der Einsatz bei zu kühlem Boden, zeigt sich keine Wirkung. Zu spät eingebracht, ist der Dickmaulrüssler bereits umgewandelt zum Käfer, der aus dem Boden aufgestiegen ist.

Wilhelm Kleinesdar über Nematodenausbringung durch Laien: „Diese Behandlungsmethode ist auch für den interessierten Hobbygärtner anwendbar, nachdem der Schädling korrekt bestimmt wurde. Die Nützlingsfirmen schicken die Nematoden nach Einsendung einer Auftragskarte direkt zum Anwender nach Hause. Die Karten gibt es im Fachhandel. Insgesamt ist das aber eher etwas für den Fachmann.“

Wenn sich die adulten Dickmaulrüssler zeigen, sieht man deutliche Fraßschäden und könnte mit Pyrethroiden auf biologischer Basis spritzen. Nur leider sind die Tiere unter den Blätter nur sichtbar, wenn man sehr nah heran geht. Sie lassen sich sofort fallen, wenn der Strauch bewegt wird. Es ist ein Kunststück, die Unterseite der Blätter eines Rhododendron zu bespritzen und dort die Rüssler zu benetzen. Mit der Spritze berührt man die Pflanze und die Rüssler springen ab.

Schmidt: „Das ist ein biologisch abbaubares Mittel, sehr wirksam in gewissen Bereichen gegen tierischer Schädiger. Heute sind sie gern gesehen, da abbaubar und auch vom Privatmann einzusetzen“ Herr Kleinesdar gibt zu bedenken: „Das ist insofern ein schwieriges Thema, weil die von den Bodenteilen stark sorbiert werden. Die Bodenwirkung von Pyrethroiden ist aus meiner Sich nie besonders gut gewesen. Man arbeitet damit im Grunde nur an der Oberfläche“
Gartenbesitzer stehen machtlos vor der prognostizierten Schädlingswelle von Dickmaulrüsslern und Mai-/-Junikäfern. Es betrifft den ganzen Kanon von Immergrünen, die bei Gärtner und Kunde noch immer besonders beliebt sind. „Bei laubabwerfenden Pflanzen ist ein Jahr Fraßschäden zu verschmerzen, nicht aber bei Immergrünen, die ihr angefressenes Laub mehrere Jahre tragen. Rückschnitt kann man einmal machen. Mehrmals geht kaum, da wir dadurch die Pflanzung zurückentwickeln“, so Jo Wietheger, Gärtner von Eden, von der Firma Wandrey in Bad Bramstedt. Sein Eden-Kollege Jonni Borgmann aus Rellingen: „Sehr wachsam sein und frühzeitig den Fachmann zur Analyse bestellen. Der kann den Schädling genau bestimmen und Maßnahmen einleiten, schließlich geht es um den Erhalt des persönlichen Ambientes, um wertvolle Pflanzen, in die man investiert hat und von denen man lange etwas haben möchte“.

Schmidt sieht als Baumschulspezialist ganz andere Probleme auf Gartenbesitzer zukommen: „Wo ich Probleme zukünftig sehe, sind pilzliche Erkrankungen, die ich auf klimatische Verschiebungen zurückführe. Einen solch trockenen und heißen April habe ich noch nicht erlebt. Wir werden anschließend wieder Kälteperioden haben. Da wird es nasskalt werden. Diese Wechsel der Extreme – von warmtrocken zu nasskalt – ist ein absoluter Infektionsherd für Pilzerkrankungen aller Art. Die Pilze sind ja latent vorhanden und die kommen dann unter besseren Bedingung zum Vorschein. Alle diese typischen Pilzerkrankungen werden uns in Zukunft viel mehr Kopfzerbrechen verursachen, als alle tierischen Schädiger zusammen“

221 Kommentare Montag, 21. Mai 2007 M. Morell


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