1 : 0 fürs Grün

Ja, wo ist denn der Halm?Was wird die Pflanze des Jahres 2006 sein? Fragen wir doch einfach mal das weltweite Publikum. Geschätzt wird, dass bis zu zwei Milliarden Menschen den Blick auf das WM-Grün werfen. An der Qualität des rechteckigen Grüns mit weißen Streifen wird zukünftig vermutlich die ganze Nation gemessen. Sind wir nicht alle Greenkeeper?

Begutachtet, bewertet, ab- und eingeschätzt zu werden – kennen wir das nicht aus dem täglichen nachbarlichen Gartenleben? Wie oft schaut das „Rasenkompetenzteam“ mal eben mit prüfendem Blick über den Zaun und gibt Kommentare ab. Wenn Nachbarn erst einmal loslegen, dann sieht man kein grünes Land mehr. Da helfen auch keine Rechtfertigungen, wie „Ich wollte doch nur eine schöne grüne Fläche und keine Profi-Spielwiese wie bei Celtic Glasgow, Manchester United, Juventus Turin, FC Porto oder Ajax Amsterdam“. Nun verhält sich natürlich nicht jeder Nachbar so, als gehöre er der „Initiative WM-Rasen e.V.“ an mit der Lizenz zum Verbessern aller weltweiten Rasenflächen.

Es ist bekannt, dass jeder Rasen sein eigenes Gesicht hat, geprägt durch Mischung der Gräser, Schnittmuster und Schnitthöhe. Die einen lieben den filigranen Zierrasen, andere sind überhaupt froh, wenn sich hin und wieder flächendeckendes Grün zeigt. Kenner sind total von der Rolle, wenn der ausgerollte Rasen in Null-Komma-Nix liegt. Und die echten Fußballprofis? Sie wollen ein festes, dichtes und kurz geschnittenes unfallreduzierendes Gras. Wer will schon – wenn er mal fällt – während des Spiels ins Gras beißen? Und da Gras nicht gleich Gras ist, heißt die botanische Formel fürs WM-Grün (WM steht vermutlich für Wiesen-Mischung) 75 Prozent Wiesenrispe (Poa pratensis) und 25 Prozent Wiesenrispe(Lolium perenne). Wie auch immer zusammengestellt, der Rasen bleibt weiterhin grün. Gut so. Grün beruhigt, sollte es wirklich mal aufregend werden.

Eine echte Weltmeisterleistung offerieren Saatanbieter: Dort wird eine bis zu 30 Prozent schnellere Keimung durch Keimfix-Wirkstoff versprochen. Und wer wünscht sich das nicht. Extrem belastbar und 40 Prozent weniger Schnittgut als bei „billigem“ Rasen. Fazit: Hast Du einen guten Rasen, dann klappt es auch mit dem Nachbarn.

Ob folgende Idee (erstmalige in der Geschichte des Weltverband FIFA) klappt? Wer weiß. Man muss nicht an der unmittelbaren Quelle sitzen, dennoch können sich Fußball-Fans legal ein Stückchen Finalrasen (30 mal 20 Zentimeter) für 75 Euro pro Stück zusenden lassen. Da möchte ich dann mal die staunenden Augen und offenen Münder der Nachbarn sehen, wenn man die Wiesenrispe – ein Rasen mit „Charakter“ in den Händen hält.

1 Kommentar Sonntag, 2. April 2006 John Langley


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