Nie wieder zum Rasen bücken

Mit meinen Gartenbauer-Kunden spreche ich oft über die Zukunft, über das, was sich bereits jetzt gesellschaftlich abzeichnet und wie wir damit umgehen.

Züchter Thomas Büchner bei der QualitätskontrolleAls sicher gilt: In Zukunft wird es mehr Ältere, mehr Alleinlebende und einen größeren Anteil anderer Kulturen in unserer Gesellschaft geben. Verstärken wird sich entsprechend die multikulturelle Garten-Ästhetik. Eng mit den Entwicklungen in einer Gesellschaft verknüpft ist die Veränderung der Zeitstrukturen. Zu nennen sind hier die Verbindungen von Arbeit und Freizeit, die Zeitverdichtung aber auch Rücknahme von Beschleunigungen. Der Garten gilt als ‚Zeit-Partner‘ für ruhige Phasen der ‚Entschleunigung‚. Begreiflich sind in dem Zusammenhang Wünsche nach zeitsparenden Techniken. Viele Menschen bevorzugen einen Garten, den man in Ruhe genießen kann und der nicht viel Arbeit macht. Auch „Herumtüdler“ brauchen zukünftig helfende Hände, einen ordentlichen Gehölzschnitt und Ideen für Umgestaltungen, damit ihre Immobilie werthaltig bleibt.
Entwicklungen in der Berufsarbeit wirken sich auch auf die Bedeutung des Gartens aus: Bei Zunahme des Arbeitsdrucks gewinnt das „Aussteigen“ im Garten einen neuen Stellenwert. Der Garten wird zum Meditationsraum, in dem Kraft für kommende Aufgaben getankt werden kann. Da sind sich Soziologen wie Trendforscher einig. Ein Aspekt aus dem Thema, das bereits Selfness getauft wurde.

Was die Gartentechnikentwickler und deren Marktstrategen sich bereits für den sog. „Golden Market“ kommender Zeiten ausdenken, lesen wir bei Gartentechnik .de:

„Reifere Menschen sehen sich mit körperlichen Einschränkungen konfrontiert: Mit der nachlassenden Beweglichkeit und Kraft, der abnehmenden Ausdauer, dem reduzierten Seh- und Hörvermögen und einem veränderten Farbempfinden werden sie sich nur solchen Produktlösungen zuwenden, die es ihnen auch im Alter noch ermöglichen, aktiv ihre Gartenfreizeit zu genießen. Das ergonomische Design zur bequemen Handhabung von Geräten gehört ebenso dazu, wie beispielsweise die Kraft sparende Getriebeübersetzung bei mechanischen Scheren oder der Radantrieb beim Rasenmäher.

Beliebt sind zudem montage- und bedienungsfreundliche Bewässerungssysteme, Dünger mit Langzeitwirkung und effektive Gartentechnik: Sie erleichtern und beschleunigen die Gartenpflege, so dass viel freie Zeit bleibt, den Garten zu genießen. Das Sortiment umfasst inzwischen Gartengeräte mit ergonomischen Langstielen, höhenverstellbare Führungsholme, langstielige Gießstäbe, Knieschoner oder Schlauchwagen und Wand-Schlauchboxen.

Kompakte Motorgeräte ersetzen die fehlende Kraft und werden bequem an Holmen geführt, ohne sich bücken zu müssen: Am Beispiel der Rasenmäher zeigt sich, welche Bedeutung die Hersteller inzwischen dem Kraft schonenden und einfachen Umgang mit den Geräten beimessen. Das Sortiment wird inzwischen geprägt vom Aufsitzmäher, Radantrieb, elektrischen Starthilfen, Lenkmähern und Mehrfachkombinationen, die in einem Gerät mähen, fangen und mulchen.“

Selber noch im Saft und mit 46 noch gut in Schuss, lese ich das mit gemischten Gefühlen und denke an meine Altersvorsorge. Hier wächst eine Generation zukünftiger „Oldies“ heran, die mit der jetzigen wohl wenig Gemeinsames haben wird.


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Kommentar schreiben Montag, 4. September 2006 M. Morell


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