Untermieter im Paradies
Morgens um 6 Uhr ist die Rasenwelt im Paradies noch in Ordnung. Frisches Frühlingsgrün leuchtet in den ersten Sonnenstrahlen. Jetfire-Mininarzissen überspielen die kahlen Stellen der winterlichen Maulwurfsaktivitäten. Doch während ich noch darüber nachsinne, ob nun heute die Rasenmähersaison beginnt oder ob ich noch ein paar Tage “Maienwiese” dulde, spüre ich Bewegung unter mir. Mit leichten Vibrationen setzt sich das kleine Beben in Richtung Narzisse fort und – da fliegen sie schon. Mein Untermieter hält nichts von Blumen an seiner Pforte. Ich gestehe mein Verhältnis zu Maulwürfen ist sehr ambivalent.
An diesem Morgen überwiegen wieder Mordgelüste, aber da meldet sich gleich mein Naturschutzzentrum, das ganz fest im limbischen System verankert scheint: der kleine Kerl ist nützlich und wirklich niedlich. Wie oft habe ich doch die Gechichte von Grabowski den Kindern vorgelesen. Und überhaupt: ich habe ja keinen Garten, um mich zu ärgern, also drücke ich die Narzissen wieder samt Hügel zurück und hoffe, dass Grabowski endlich einsieht, dass für ihn ausschließlich der Gierschstreifen unter der Hecke vorgesehen ist.
Kommentar schreiben Dienstag, 2. Mai 2006 Isolde Fritsch-Hamann